Geschichte Loquards
Das Warfendorf Loquard liegt in der Gemeinde Krummhörn, knapp 14 km von Emden entfernt, zwischen Rysum und Campen. Die Existenz ist seit zwei Jahrtausenden bekannt: Schon bevor die Römer mit einer Truppentransportflotte von den Niederlanden aus die Unterems aufsuchten, wurde die Rundwarf aufgetragen, auf der das Dorf „hoog un dröge“ liegt. Um das Jahr 1000 begann man mit dem Deichbau.
Im Heberegister des Klosters Werden wird der Ort um 1000 mit dem Namen Laward erwähnt, ab 1385 als Lachwerth, ab etwa 1417 als Lookweert und Loquert. Im Plattdeutschen heißt es bis heute Lokert. Loquard ist einer der ältesten Häuptlingssitze im Emsigerland, dem Sippenverband der Brungersmanna.
Klaus Störtebecker und die Burg von Loquard
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts stand inmitten des Dorfes, neben der um 1250 erbauten „steenen Karke“ (Kirche), die sogenannte „Lyowertsnaborch“ – benannt nach dem Häuptling Liudward. Heute befindet sich dort der „Runde Garten“. Durch das tideoffene Fahrwasser „an der Seekante van de Ham“ war Loquard leicht von der See aus erreichbar, was die Entwicklung der Bauer-Handel-Seefahrt begünstigte. Ab 1395 lockte dies auch die „Vitalienbrüder“ an – der Seeräuber Klaus Störtebecker soll der Überlieferung nach auf der alten Burg „up de olde Borch“ geweilt haben.

Im Mai 1400 führten die Seeräuber ein verlustreiches Gefecht gegen die Hamburger, die den damaligen Häuptling Sibrand vertrieben und die Burg zerstörten. Der Seeräuber Michael Gödecke konnte mit 200 Mann nach Norwegen entkommen. Sibrand errichtete eine neue Burg – eine Vierkantanlage – weiter nördlich. Erhalten geblieben ist heute nur der ringförmige Burggraben, über eine Holzbrücke erreichbar, mit einem kleinen Garten, in dem die Umrisse der alten Burg durch Rosen nachgebildet sind. Die Burg wurde Ende des 15. Jahrhunderts endgültig zerstört, als die Hamburger die Krummhörn besetzten.
Loquard im 20. Jahrhundert
Die Einwohnerwehr bestand im September 1919 aus 38 Mann mit 25 Waffen. In der NS-Zeit befand sich nordöstlich des Dorfes, an der Straße nach Campen, ein Kriegsgefangenen- und Arbeitslager mit anfangs 25 bis 30, später bis zu 70 Personen – zunächst überwiegend Serben, später Ostarbeiter und Kriegsgefangene.
1946 wurden 840 Einwohner gezählt, davon 198 Flüchtlinge (23,6 %). Die Bevölkerung schwankte seither zwischen rund 560 und 690 Personen; 2014 wurden 614 Einwohner gezählt. Die Dorferneuerung wurde von 1989 bis 1992 geplant und 1993 bis 2002 durchgeführt.
Die Kirche in Loquard
Die Kirche zählt zu den kunsthistorischen Besonderheiten der Region und gehörte einst zum Bistum Münster. Der erste Bau stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der Westturm aus dem Ende des 15. Jahrhunderts.

Nach einer starken Beschädigung durch einen Orkan 1717 verlor der Turm seine Obergeschosse; das Untergeschoss wurde in den Kirchenraum einbezogen. Erhalten blieb im Chor ein vierrippiges Gewölbe.

„Leben, wo andere Urlaub machen“ – die Krummhörn
So lautet der Slogan der Gemeinde Krummhörn, treffend formuliert für das Ferien- und Naturschutzgebiet Wattenmeer, das die UNESCO im Sommer 2009 zum Weltnaturerbe erklärte. Die Lebensart der Ostfriesen ist entspannt und freundlich; Besucher aus vielen Ländern schätzen die Gastfreundlichkeit.
Die Verwaltung der Krummhörn (Sitz in Pewsum) legt großen Wert darauf, dass die Warfendörfer – Rysum, Loquard, Campen und viele weitere – ihren hohen Wiedererkennungswert für Touristen behalten: Alte Häuser werden denkmalgerecht renoviert, landschaftliche Ressourcen erhalten. In allen 18 Gemeinden der Krummhörn lässt sich noch ursprüngliches Landleben erfahren, dazu Wandern und Radfahren hinter dem Deich.
Die bekannteste Gemeinde der Krummhörn ist Greetsiel mit seinem kleinen Hafen – doch auch die kleineren Dörfer wie Loquard, Campen und Rysum haben sich enorm gemausert, mit attraktiven Ferienwohnungen abseits des Trubels. Ostfriesische Gastronomie findet sich vor allem in Rysum, Pilsum, Groothusen und Pewsum. Weitere Ausflugsziele: Leer mit Hafen und Einkaufsmeile, sowie Aurich, Norden und Emden.
Ausflugs- und Gastronomietipps für die Region gibt es im Krummhörn Magazin.
Historische Bahnverbindung „Jan Klein“
Von 1899 bis 1963 verkehrte die von der Bevölkerung liebevoll „Jan Klein“ genannte Schmalspurbahn zwischen Emden und Pewsum, ab 1906 bis Greetsiel.