Seit Anno 1746 habe ich allen Stürmen getrotzt.
Anno 2013 stand das Haus leer und war teilweise stark beschädigt. Die letzte Eigentümerin, Grete Mennenga, hatte es bis zum letzten Tag gehegt und gepflegt. Mit ihren stolzen 80 Jahren hatte sie die Gastwirtschaft bis zu ihrem Lebensende immer noch an Wochenenden geöffnet. Nach ihrem Tod vergingen fast 20 Jahre, in denen das Haus immer mehr verwahrloste – das Dach teilweise eingestürzt, die Fenster eingeschlagen, die hintere Fassade offen.

Die Alte Post in Loquard erzählt ihre Geschichte
Es ist eine lange Geschichte, und sie beginnt im Jahr 1768 – das sind stramme 246 Jahre ostfriesischer Geschichte, Zeiten, in denen es an der Nordsee und der Krummhörn noch ganz anders zuging als heute.
Der erste Besitzer hieß Aylt Janßen. Er vererbte oder verkaufte das Haus 1803 an Reints Dirks. Ab 1845 war es im Besitz von Jan Jürgen Neef, ab 1856 von Harm Ohmen Ihmels.

Geschichte eines Baudenkmals: Gasthof „zur Post“, später „Haus Mennenga“
Der 1746 erbaute kleine Gulfhof mit dreiräumigem Wohnbereich und Upkammer erscheint 1873 in der Gemarkungskarte von Krummhörn Loquard und nennt den Gastwirt Johann Gerhard Sassen als Eigentümer. Hier wird auch die Scheune erstmals erwähnt.
- J. Sassen vererbte das Haus 1889 an Hermann Sassen, der 1890 den Saal erbaute. Ab 1900 führte der Gastwirt Hermann Saßen mit seiner Ehefrau Rendske, geb. Mark, den Gasthof „Zur Post“ und das Postamt. 1901 entstanden auf dem Grundstück eine Kegelbahn und ein Wiegeschuppen für den Viehhandel.
Von 1900 bis 1930 wird die Postagentur erwähnt; andere Quellen datieren eine Post- und Telefonstation in Loquard bereits auf 1880. Die Post wurde damals noch mit Pferd und Wagen befördert und befand sich im östlichen Gebäudeteil am Übergang zur Scheune, mit einem Schiebefenster. Im selben Raum gab es einen Ausschank für Arbeiter mit eigenem östlichen Eingang – der südliche Eingang war Bauern und Bürgern vorbehalten, denn zu dieser Zeit galt strikte Klassentrennung.
Am 27. April 1909 übernahmen Gretus Mennenga (Postagent von Beruf) und seine Ehefrau Ani, geb. Cammenga, die Gastwirtschaft. Im selben Jahr entstanden das südliche Portal („Kapellchen“) und der nordöstliche Stallanbau. Der Wiegeschuppen verschwand 1920, die Kegelbahn existierte ab 1937 nicht mehr. Der Gasthof bot drei Fremdenzimmer. Mennenga erweiterte die Postagentur um einen Kolonialwarenladen und einen Futterhandel.

Vor 1927 hieß die Gaststätte offenbar auch einmal „Gasthof zur Linde“, wie aus dem Bierkontobuch der Haake-Beck-Brauerei von 1942/43 hervorgeht. Noch heute stehen vier denkmalgeschützte Kopflinden an der Südseite.
Anno 1900 – Gast- und Schankwirtschaft mit Postagentur
Aus einer Postkarte geht hervor, dass 1927 ein J. Glasbania die Wirtschaft unter dem Namen „Gasthof zur Post“ mit „Saal und Orchestrion“ geführt hat. Für den Gasthof gab es häufige Wechsel der Eigentümer und Pachtverhältnisse – ein Spiegel der wirtschaftlichen Auf- und Abs in der Marsch sowie der Sturmfluten, die oft das Werk mehrerer Generationen zerstörten. Bis vor wenigen Jahrzehnten waren die Höfe in der Krummhörn zu 80 % Pachthöfe und nur zu 20 % Eigentumshöfe.
1969 übernahm Tochter Margarethe Mennenga den Familienbetrieb. 1982 feierte sie das 75-jährige Bestehen des Gasthofes. 1991 starb Margarethe Mennenga mit 79 Jahren in einem Emder Altenheim.

Anno 1992 – Die Gemeinde Krummhörn kauft das Denkmal
1992 kaufte die Gemeinde Krummhörn das Haus, 1993 wurde der KHL (Kultur- und Heimatverein Loquard) gegründet. 2001 löste sich der Verein wieder auf.

Anno 2003 – Die Gulfscheune stürzt ein
Im März 2003 stürzte die ehemalige Scheune des kleinen Gulfhofs ein. 2010 stellte die Gemeinde Krummhörn einen Abrissantrag für das Baudenkmal, dem jedoch nicht stattgegeben wurde.

Anno 2010 – Viele Rettungsversuche

2010 gab es mehrere Rettungsversuche, während die Gemeinde Krummhörn zeitweise einen kompletten Abriss erwog. Es gab Ideen für ein Jugendhaus, der Denkmalverein Anno Ostfriesland versuchte zu vermitteln, auch Kaufinteressenten meldeten sich.


Anno 2011 – Lösung in Sicht
Die Gemeinde Krummhörn verhandelte mit einem Käufer, doch nach langen Verhandlungen kam wieder kein Verkauf zustande. Der Unmut in der Bevölkerung wuchs angesichts einer Rattenplage rund um das leerstehende Haus.

Anno 2013 – Denkmalpfleger Jan Smidt bleibt unbeirrbar
Das Haus stand weiterhin leer, das Dach war undicht, alle Fenster zertrümmert und mit Holz verschraubt, die hintere Fassade offen. Nur Jan Smidt, der Denkmalpfleger des Landkreises Aurich, hielt schützend die Hand darüber. Im Januar 2014 verkündete der Loquarder Ortsvorsteher Reiner Wilms der Ostfriesen Zeitung, dass die Verkaufsverhandlungen vorankämen und eine Sanierung erfolgen solle.

Anno 2014 – Ein neuer Anfang
Die Gemeinde Krummhörn verkaufte das Haus an die neuen Besitzer, die die Geschichte fortschreiben wollten. Die offizielle Übergabe durch Bürgermeister Frank Baumann fand am 6.6.2014 statt (Details dazu im Bautagebuch 2014).

Im Jahr 2015 glänzt es schon etwas
Die ersten Fortschritte sind wahrnehmbar. In den vergangenen neun Monaten ist viel geschehen. Meine Vorderansicht hat sich komplett verändert. Durch die neuen Fenster in der ehemaligen Gaststätte und die neue Giebelwand an der Nordseite bin ich endlich wieder ein geschlossenes Haus. Das alte Toilettengebäude ist verschwunden und die südliche Giebelseite ist wieder voll sichtbar. Der Bauzahn wurde entfernt und jetzt glänze ich schon richtig wenn die Sonne scheint.
Im September blüht es im Garten und der Innenausbau schreitet voran: Bautagebuch 2015
Das Jahr 2016 bringt die ersten Gäste ins Haus
Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu. In meinen Mauern ist viel geschehen. Lauter Dinge die Ihr von außen gar nicht sehen könnt. Von denen aber in meinem Bautagebuch berichtet wird. Die Wärme ist zurückgekehrt. Eine Haushälfte ist fertig.
Obendrein geht es wieder recht lustig zu in meinen Mauern. Ich höre jetzt wieder Musik aus dem Wohnzimmer. Einige Loquarder Nachbarn kamen in der letzten Woche mal kurz vorbei und um mit einem fröhlichen Moin, ihre Freude darüber kund zu tun. Sie haben sich genau wie ich altes Haus sehr über die Fortschritte und Veränderungen gefreut. Denn es sieht alles so schön aus. Die Wandfarben sind gekonnt zusammengestellt und harmonieren mit dem Cottoboden. Es ist eine wahre Freude…
Es geht voran und die ersten Gäste und Helfer besuchen das Haus
Im Jahr 2017 erhalte ich eine Auszeichnung vom Denkmalverein Anno e.V

Der Dienstag war ein schöner Tag, denn meine Hausbesitzer waren in Pilsum zu einer Sitzung vom ostfriesischen Denkmalschutz Verein Anno e.V eingeladen. Anlass war die Übergabe einer Auszeichnung für mich und den Fortschritt meiner Restaurierung. Damit wurde der Fortschritt der Wiedererstellung meiner Mauern mit einer Urkunde gewürdigt.
Anno 2017 – Kommentar der Eigentümer
Drei Jahre waren vergangen – drei harte, aber auch wunderbare Jahre mit vielen Gesprächen rund um das Haus Mennenga. Jetzt, wo es wieder lebt, zeigt sich seine Bedeutung für die Bewohner in Loquard, Rysum und Campen. Viele Loquarder, die zuvor den Abbruch gefordert hatten, weil es ihnen aussichtslos erschien, erzählen heute wieder gerne von den Erinnerungen an Vorkriegszeit, Kinozeit und „Grit“ – Mitglieder des FC Loquard, der Feuerwehr und viele andere haben früher in der Gaststätte gefeiert, manche Ehe ist dort beim Tanz entflammt.
Anno 2020 – Ein neuer Lebensabschnitt
Im alten Saal befindet sich seither eine DTV-5-Sterne-Ferienwohnung. Wer Urlaub in einem historischen Gebäude in der Krummhörn machen und die Geschichte in Echtzeit erleben möchte, kann über die Buchungsseite einen Aufenthalt buchen. Seit 2023 ist zudem die Massagepraxis Astrid Mull Teil der alten Gaststätte Mennenga.
Historische Unterlagen und Nachweise stammen vom Denkmalschutzverein Anno sowie aus einer Diplomarbeit der Architektin Katrin Oetjen, die für die Gemeinde Krummhörn eine Dokumentation zur Geschichte des Hauses erstellte.
