Die Alte Post in Loquard erzählt ihre Geschichte

Moin, Moin, ich bin die alte Post in Loquard und ich werde Euch hier meine Geschichte bis in die heutige Zeit erzählen.

Es ist eine lange Geschichte und sie beginnt so ungefähr im Jahr 1768. Das sind stramme 246 Jahre ostfriesischer Geschichte - Zeiten in denen es hier an der Nordsee noch ganz anders zuging als heute.

Aber ganz genau weiß ich das nun wirklich nicht mehr...ganz sicher werde ich in alten Urkunden und Versicherungen ab 1803 erwähnt.

Mein erster Besitzer und Bauherr hieß Aylt Janßen.

Geschichte eines Baudenkmals Gasthof zur Post

Ziemlich genau wurde folgender Ablauf in der Historie festgehalten.

1815 erbauter kleiner Gulfhof mit dreiräumigem Wohnbereich und Upkammer, aus dem vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts eine Gaststätte mit Saalanbau wurde.

1873 Eine Gemarkungskarte von Loquard nennt den Gastwirt Johann Gerhard Sassen als Eigentümer. Als sein Nachfolger führt der Gastwirt und Postament Johann Saßen mit seiner Ehefrau Rendske, geb. Mark den Gasthof »Zur Post«.

1907 Am 27. April übernehmen Gretus Mennenga und seine Ehefrau Ani, geb. Cammenga die Gastwirtschaft. Sie bieten auch drei Fremdenzimmer an. Zur Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage erweitert Mennenga um eine Postagentur, einen Kolonialwarenladen und betreibt einen Futterhandel.

1969 übernimmt Tochter Margarethe Mennenga den Familienbetrieb.

1982 am 27. April feiert sie das 75-jährige Bestehen des Gasthofes.


1991 stirbt Margarethe Mennenga mit 79 Jahren in einem Emder Altenheim.

1992 Kauf durch die Gemeinde Krummhörn

1993 Gründung des KHL (Kultur- und Heimatverein Loquard)

Die Scheune steht noch! (siehe Foto der Ostfriesenzeitung vom 26. Januar 1993, Foto Lasch)


2001 Auflösung des Kultur- und Heimatverein Loquard

2003 im März stürzt der ehemalige Scheunentrakt des kleinen Gulfhof ein. Hier ein Foto aus der Ostfriesenzeitung vom 29.3.2003 (Foto, Poets)



2010 Im November stellt die Gemeinde den Abrissantrag für das Baudenkmal, dem aber nicht stattgegeben wird.

2014 Beginn der Restaurierung des Denkmal-Hauses, in Absprache mit der Gemeinde Krummhörn und der Denkmalpflege im Landkreis Aurich, neue Besitzer Astrid Mull und Reinhold Packeisen-Mull

 

ab 1900 Gast und Schankwirtschaft mit Postagentur

2013 der Tiefpunkt ist erreicht

211 Jahre haben meine Mauern allen Stürmen getrotzt
 

Ich stehe leer und bin teilweise stark beschädigt. Meine letzte Eigentümerin Frau Mennega hat mich bis zum letzten Tag gehegt und gepflegt. Mit ihren stolzen 80 Jahren hatte sie die Gastwirtschaft bis zu ihrem Lebensende immer noch an Wochenenden geöffnet.

Nach Ihrem Tod vergingen fast 20 Jahre, in denen ich immer mehr verwahrloste.

Heute ist mein Dach undicht, meine Fenster eingeschlagen, meine hintere Fassade ist offen und es hängen noch Dachpfannen und Reste von der eingestürzten Scheune in der Luft. Die Wände sind feucht und beim letzten Sturm verlor ich noch mehr Dachpfannen.

In meinen Mauern lebt nur noch Ungeziefer. Dabei wäre es so schön, wenn endlich wieder Wärme und Leben hier einkehren würde.

Ich bin guter Hoffnung.

Historische Unterlagen

Historische Unterlagen und Nachweise erhielten wir vom Denkmalschutz Verein Anno. Vielen Dank für die Unterstützung durch Volkmar Kayser!

Verein ANNO
Gesellschaft zur Erhaltung Ostfriesischer Kultur und Baudenkmale e.V.
Matthias-Claudius Str. 4
26721 Emden

Webseite unter:

http://www.anno-ostfriesland.de/